🚴WTR
Blog
ErgebnisseKooijSprint

Etappe 5 der Tour 2026: Kooij gewinnt chaotischen Sprint in Pau, Vingegaard entgeht einer Katastrophe

9. Juli 2026·6 Min. Lesezeit

Olav Kooij gewann bei seinem Tour-Debüt gleich den allerersten Massensprint, doch der Tag drehte sich vor allem um den Sturz sechs Kilometer vor dem Ziel — und die obskure Regel, die Jonas Vingegaard rettete. Das Ergebnis und die Gesamtwertung nach Etappe 5.

140 Kilometer allein: Veistroffers Abenteuer

Etappe 5, 158,3 Kilometer von Lannemezan nach Pau, war auf dem Papier die einfachste Etappe der Woche: die erste echte Sprintchance dieser Tour. Ein Mann kümmerte sich nicht darum. Baptiste Veistroffer (Lotto Intermarché) fuhr ab Kilometer null weg und blieb über 140 Kilometer allein vorne. Der Franzose schnappte sich unterwegs den Zwischensprint in Vic-en-Bigorre sowie die Bergpunkte an der Côte de Baleix und wurde erst vierzehn Kilometer vor dem Ziel gefasst. Sein maximaler Vorsprung: rund 3'10".

Chaos sechs Kilometer vor dem Ziel

Was wie ein kontrollierter Sprinttag aussah, explodierte im Finale. In einer schnellen Rechtskurve, knapp außerhalb der Fünf-Kilometer-Zone, in der Stürze neutralisiert werden, ging es richtig schief: Alex Molenaar und Abel Balderstone stürzten hart, und auch mehrere Fahrer von Soudal Quick-Step wurden aufgehalten. Das Feld zerbrach in Stücke, Gelbtrikotträger Torstein Træen kam mit einem ramponierten Rad über die Linie, und bei 2,5 Kilometern stürzte auch noch Alex Kirsch.

Der größte Schreck traf Jonas Vingegaard. Der Däne geriet hinter den Sturz und musste in aller Eile das Rad wechseln — Teamkollege Victor Campenaerts überließ ihm seine Maschine, woraufhin Visma den Kapitän mit aller Macht zum Ziel lotste. Da der Bruch außerhalb der Fünf-Kilometer-Zone entstand, zählten die Zeitunterschiede im Prinzip ganz normal.

Kooij macht es bei seinem Tour-Debüt fertig

Vorne zog XDS-Astana im Schlusskilometer den Sprint für Max Kanter an, doch Olav Kooij kam 300 Meter vor dem Ziel darüber und gewann überzeugend. Der 24-jährige Niederländer bestreitet seine allererste Tour und bescherte Decathlon CMA CGM gleich den ersten Etappensieg. „Als ich die Linie sah, bin ich einfach voll durchgezogen“, sagte er hinterher. Kanter wurde Zweiter, Tim Merlier — der im Chaos seinen Lead-out verlor — Dritter. Jasper Philipsen (Fünfter), Biniam Girmay (Sechster) und Mads Pedersen (Siebter) kamen nicht zum Zug, und Jonathan Milan fehlte sogar komplett in den Top zehn.

Die Regel, die Vingegaard rettete

Auf dem Papier verlor die Gruppe um Vingegaard Zeit. Doch nach dem Ziel griff die Jury zu einer wenig bekannten UCI-Regel: Zeitunterschiede werden erst vergeben, wenn mindestens drei Sekunden zwischen zwei Gruppen liegen. Durch das ganze Chaos kam das Feld in Fetzen ins Ziel, ohne klare Lücken — und so bekamen alle hinter der ersten Gruppe dieselbe Zeit, vierzehn Sekunden nach Kooij. Ergebnis: Das Klassement blieb völlig unverändert. Træen behält seine 28 Sekunden auf Sean Quinn und 3'50" auf Mathias Vacek, und Pogačar und Vingegaard stehen bei 7'53" weiterhin exakt gleichauf. Remco Evenepoel folgt mit 8'16", Isaac del Toro mit 8'17", Juan Ayuso mit 8'20".

In den Nebenwertungen änderte sich wenig: Pedersen hält das Grüne Trikot komfortabel (131 Punkte, vor Girmay mit 67 und Philipsen mit 58), auch wenn er mit Kooij plötzlich einen neuen Rivalen hat. Alex Baudin bleibt in den Punkten, Vacek in Weiß.

Heute: der Tourmalet, endlich ein Feuerwerk?

Nach zwei Tagen des Wartens ist es heute so weit: Etappe 6 führt das Feld von Pau über den Col d'Aspin und den mythischen Tourmalet zum Ziel in Gavarnie-Gèdre. Es ist das erste echte Rendezvous zwischen den Favoriten seit Les Angles — und der Moment, in dem wir sehen, ob UAE und Visma Træen seine knapp acht Minuten lassen oder die Jagd eröffnen.

Für Vingegaard kommt die Bergetappe keinen Tag zu früh. Am Mittwoch entging er einer Katastrophe; heute kann er auf dem Rad antworten. Und die Sprinter? Die dürfen schon morgen wieder träumen: Etappe 7 endet in Bordeaux, und dort will Kooij zweifellos die Nummer zwei dazuholen.

Neugierig, welcher Fahrer du bist?

🚴 Mach das Quiz