Wer ist Torstein Træen, der überraschende Gelbtrikotträger?
Von einer Krebsdiagnose über eine Dopingkontrolle bis zum Gelben Trikot bei der Tour de France 2026. Die bemerkenswerte Geschichte von Torstein Træen — und wie lange er Gelb halten kann.
Der Norweger, den niemand kommen sah
Torstein Træen (30) trägt seit Dienstag das Gelbe Trikot — das erste in der Geschichte von Uno-X Mobility. Der Norweger schmuggelte sich in die 39 Mann starke Flucht nach Foix und ging als bestplatzierter Fahrer aus dieser Gruppe hervor, gut für einen Vorsprung von 28 Sekunden auf Sean Quinn und satte 7'53" auf Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard. Für das norwegische Team, das in diesem Jahr sein WorldTour-Debüt gibt, ist es auf Anhieb der größte Erfolg seiner Geschichte.
Træen kehrte im vergangenen Winter zu Uno-X zurück, nach drei Saisons bei Bahrain Victorious. Schönes Detail: Am 16. Juli, mitten in dieser Tour, feiert er seinen 31. Geburtstag.
Gerettet durch eine Dopingkontrolle
Die Geschichte hinter dem Mann in Gelb ist besonders. Anfang 2022 tauchte bei einer Dopingkontrolle von Træen das Hormon hCG auf — bei Männern ein mögliches Signal für Hodenkrebs. Untersuchungen bestätigten die Diagnose, und Træen wurde operiert, wobei ein fünfzehn Millimeter großer Tumor entfernt wurde. Weil die Krankheit so früh entdeckt wurde, konnte er eine Chemotherapie vermeiden und stand im August desselben Jahres bereits wieder am Start.
„Ich habe entdeckt, dass einem das Radfahren, genau wie das Leben, einfach genommen werden kann“, sagte er später darüber. Das macht sein Gelbes Trikot, vier Jahre nach dieser Diagnose, zu einer der schönsten Geschichten dieser Tour.
Das hat er schon einmal getan
Wer die Vuelta 2025 verfolgt hat, erkennt das Szenario wieder. Auch dort schlich sich Træen in der ersten Woche in eine Flucht, auch dort schnappte er sich das Führungstrikot — er trug Rot vier Tage lang, bis Jonas Vingegaard es ihm in der zehnten Etappe abnahm. Træen fuhr diese Vuelta einfach unter den ersten zehn zu Ende: Neunter im Gesamtklassement, sein bestes jemals erreichtes Resultat bei einer großen Rundfahrt.
Er ist also mehr als ein zufälliger Passant: Træen kann klettern, und ein Platz unter den ersten zehn in Paris ist nicht undenkbar.
Wie lange hält er Gelb?
Die erste Hürde kommt schnell: Am Donnerstag führt Etappe 6 über den Col d'Aspin und den mythischen Tourmalet nach Gavarnie-Gèdre. Mit fast acht Minuten Vorsprung auf die Favoriten muss Træen dort nicht mit den Allerbesten mitklettern, um Gelb zu behalten — er muss vor allem den Schaden begrenzen. Bei der Vuelta hielt er Rot genau bis zur ersten echten bergigen Abrechnung. Die Frage ist, ob UAE und Visma die Jagd jetzt schon eröffnen, oder ob sie dem Norweger noch eine Woche in Gelb gönnen, während sie sich gegenseitig beobachten.
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