Etappe 8 der Tour 2026: Merlier gelingt der Doppelschlag in Bergerac, Slock kurz vor dem Ziel gefasst
Tim Merlier gewann in Bordeaux und Bergerac und ist plötzlich der schnellste Mann dieser Tour. Doch die Geschichte des Samstags war Liam Slock, der nach vierzig Kilometern im Alleingang anderthalb Kilometer vor einem Traumsieg gefasst wurde. Die Ergebnisse und die Gesamtwertung nach Etappe 8.
Zunächst Bordeaux — und ein bitterer Abschied
Zwei Sprinttage, zweimal Tim Merlier. Beginnen wir mit Freitag. Etappe 7 nach Bordeaux (175,1 km) sah nach der perfekten Kulisse für Jasper Philipsen aus: Alpecin–Premier Tech setzte ab 2,5 Kilometern einen altmodischen Zug in Gang, und Mathieu van der Poel lieferte seinen Sprinter tadellos ab. Doch Philipsen bekam es im Gegenwind nicht fertiggemacht und sackte auf Platz fünf ab. Merlier kam mit sengendem Tempo darüber und schlug überraschend Søren Wærenskjold und Biniam Girmay. Olav Kooij, der Sieger von Pau, steckte bei 400 Metern hinter ins Stocken geratenen Fahrern völlig fest und kam gar nicht erst zum Zug.
Die schlechteste Nachricht des Tages kam schon am Morgen. Torstein Træen, zwei Tage lang der Geschmacksträger dieser Tour, stand nicht mehr am Start. Aus den Daten seines Helmsensors und Röntgenaufnahmen ging hervor, dass er bei seinem Sturz in der Abfahrt des Tourmalet eine Gehirnerschütterung und mehrere gebrochene Rippen erlitten hatte. So endet das norwegische Märchen nicht mit einem langsamen Rückzug bergauf, sondern im medizinischen Wagen. Bitter.
Slock: vierzig Kilometer, die sich zu träumen trauten
Am Samstag dann Etappe 8 von Périgueux nach Bergerac, 180,4 Kilometer durch die Dordogne. Auf dem Papier wieder so ein kontrollierter Sprinttag; in der Praxis das spannendste Finale der Woche. Die frühe Flucht — Liam Slock, Thibault Guernalec und Jakub Otruba — bekam nie viel Raum, und nach der Côte du Buisson-de-Cadouin entschied Slock, dass drei zu viel waren. Der Belgier von Lotto Intermarché fuhr gut vierzig Kilometer vor dem Ziel allein weg und begann ein Zeitfahren gegen die geballte Macht der Sprintteams.
Und er kam verdammt nah dran. Bei dreißig Kilometern hatte er noch anderthalb Minuten, bei sieben Kilometern vierzig Sekunden, bei drei Kilometern fünfzehn. Nach einer rechtwinkligen Kurve legte er noch einmal eine letzte Beschleunigung ein, doch kurz vor der Flamme Rouge war es vorbei — gefasst 1,3 Kilometer vor dem Ziel. „Das Wunder war fast da, aber jetzt überwiegt die Enttäuschung“, sagte er hinterher. „So nah an einen Etappensieg bei der Tour zu kommen, war ein Kindheitstraum. Heute Abend bin ich vielleicht stolz darauf.“ Und seinen schönsten Satz hob er sich für den Schluss auf: Wer nicht schießt, trifft nie.

Merlier vom siebten Hinterrad
Der folgende Sprint war eine Klasse für sich. Van der Poel zog bei 700 Metern durch mit Philipsen im Windschatten — die Kopie von Bordeaux. Doch Merlier saß zu weit hinten, kam vom siebten Hinterrad und gewann trotzdem. Girmay strandete eine halbe Radlänge zu spät, Kooij wurde Dritter, Philipsen erneut auf Platz vier geschlagen. Zwei Tage, zwei Siege: Nach einer Woche, in der Soudal Quick-Step vor allem Pech sammelte, ist Merlier plötzlich DER Sprinter dieser Tour.
Der Stand: alles eingefroren, außer Grün
Im Klassement bewegte sich zwei Tage lang gar nichts. Tadej Pogačar führt weiterhin mit 2'42" vor Jonas Vingegaard und 3'27" vor Isaac del Toro, mit Remco Evenepoel (3'30"), Juan Ayuso (3'34"), Paul Seixas (3'55") und Florian Lipowitz (4'00") dahinter — das Erbe des Tourmalet.
Die Punktewertung ist unterdessen durchaus in Bewegung. Mads Pedersen sammelte bei beiden Zwischensprints Punkte und hält mit 214 Punkten Grün fest im Griff, doch dahinter wird es eng: Girmay folgt mit 153, Max Kanter — überraschend konstant — mit 152, Merlier mit 143 und Philipsen mit 140. Mit der Hügelzone und den Zwischensprints der kommenden Woche wird das noch eine spannende Rechenaufgabe.
Heute: Hitze, Hügel und eine verkürzte Etappe
Heute kein Sprint. Etappe 9 führt ins Zentralmassiv, von Malemort nach Ussel, und wurde von der Organisation wegen der extremen Hitze um dreißig Kilometer verkürzt. Es verspricht ein Ausreißertag alter Schule zu werden — wir haben eine eigene Vorschau dazu geschrieben. Danach darf endlich jeder einen Tag durchatmen: Montag ist der erste Ruhetag.
Neugierig, welcher Fahrer du bist?
🚴 Mach das Quiz